Die Stimme in meinem Kopf

Ich hatte immer viele Gedanken in meinem Kopf. Sehr viele sogar. Und diese wurden von einer inneren Stimme den ganzen lieben, langen Tag in Dauerschleife heruntergebetet. „Was war denn das gerade, bitte?! Das hättest Du mal lieber nicht gesagt.“ „Bist Du Dir sicher, dass morgen bei dem Termin alles gut gehen wird?“ „Guck heute lieber nicht in den Spiegel. Du hast die letzten Wochen viel zu viel gegessen.“ Gedanken dieser Art konnten mich stundenlang beschäftigen. Sie waren ein Mix aus Selbstzweifeln, Ängsten, Urteilen und Schwarzmalerei und sie bewirkten vor allem eins: Dass ich mich schlecht, verletzlich und nicht gut genug fühlte. Ganz gleich, in welchem Lebensbereich. Doch ich dachte, dass es nur mir so ginge und ich nichts dagegen tun könne und so hielt ich mit meinen Sorgen lieber hinter dem Berg.

Doch es ist nun mal so, dass sich solch negative Gedanken irgendwann auf unser Verhalten und unsere Erfahrungen im Leben auswirken. Dadurch, dass mein Selbstbild so ein negatives war, konnte ich auch schlecht für mich und meine Bedürfnisse einstehen, Grenzen setzen oder  mich und meine Fähigkeiten wertschätzen. Ich geriet in einen Leistungsstrudel und was irgendwann folgte, hätte ich damals nie für möglich gehalten: Ein Burnout. Eine unvorhergesehene Zwangspause.

„Sei froh, dass Du nichts Körperliches hast!“

In den ersten Wochen meines Burnouts wusste ich selbst nicht, wie mir geschah. Und gleichzeitig spürte ich, dass einige in meinem Umfeld mit dieser „Erschöpfungsdepression“, wie es im Fachjargon genannt wird, auch nicht umzugehen wussten. „Sei froh, dass Du nichts Körperliches hast. Das wäre doch viel schlimmer!“, sagte eine Bekannte schließlich zu mir. Ich weiß noch, dass ich dachte: „Ja, wäre es das wirklich?!“

Wahrscheinlich wollte die Person Anteil nehmen und wusste nicht, wie. Doch die Aussage traf mich tief und machte mir sehr klar, dass Themen wie „Burnout“ oder Depressionen noch immer ein Tabu waren und dass es Betroffene dadurch doppelt schwerer hatten.

Ich bin nicht alleine

Ich entschied mich für eine Gesprächstherapie, nahm an Einzel- und Gruppensitzungen teil und musste zu meinem Erstaunen etwas sehr Bedenkliches feststellen: Mit meinem negativen Selbstbild war ich ganz und gar nicht allein. Ich begegnete zahlreichen Menschen und vor allem Frauen, die mit ähnlichen Themen zu kämpfen hatten wie ich: Selbstzweifel, Ängste, Minderwertigkeitsgefühle, übertriebenes Pflichtbewusstsein, Leistungsstreben und vieles mehr schienen Gang und Gäbe zu sein.
Ehrlich gesagt, war ich etwas geschockt, wie viele Menschen mit sich und dem Leben haderten, ohne dass man es ihnen auf den ersten Blick auch nur im Geringsten anmerkte. So beschloss ich, dass das nicht weiterhin der „Normalzustand“ sein dürfe und dass ich nach Mittel und Wegen suchen würde, das Licht unserer Seelen und unserer wahren Natur wieder anzuknipsen.

 

Sich wieder heil und vollständig fühlen

Erst kamen Yoga und Entspannungstechniken in mein Leben, dann die Atemtherapie und schließlich entschied ich mich für eine mehrjährige Ausbildung zur Bewusstseins-Trainerin. Im ersten Jahr ging es primär und die Selbsterfahrung und den eigenen Heilungsprozess. Im zweiten Jahr lernte ich, alle wichtigen Tools und Techniken der Bewusstseinsarbeit bei anderen Menschen professionell anzuwenden. Und ich muss sagen: Diese Ausbildung war das Beste, was mir passieren konnte. Denn sie ermöglicht mir bis heute zwei wesentliche Dinge: Einerseits kann ich mit meiner Arbeit jeden Tag etwas dazu beitragen, dass Themen wie Burnout oder Depressionen kein Tabu mehr sind, sondern sie mehr und mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft gelangen und einen festen Platz erhalten. Und andererseits kann ich nun Menschen mit unterschiedlichen Methoden und Techniken professionell und empathisch zur Seite stehen, denen es aktuell so geht wie es mir lange Zeit erging.

So möchte ich so viele Frauen wie möglich darin bestärken, ihren eigenen Wert und ihre individuelle Schönheit zu sehen. Ich möchte ihnen Mittel und Wege aufzeigen, sich wieder mit ihrer Intuition, ihrer Wahrheit und mit ihrem Körper zu verbinden. Und ich möchte sie ermutigen, an sich selbst zu glauben, stolz auf sich zu sein und die eigene Kraft zu spüren.

Denn: Jede Frau ist einzigartig und genau richtig, so wie sie ist. Jede Frau ist gut genug, so wie sie ist. Und jede Frau ist schön, so wie sie ist.

Es ist an der Zeit, dass wir das Korsett aufschnüren und ablegen, das uns nicht entspricht. Dass wir Altes ausatmen und jeden Tag so viel Liebe, Lebensenergie und Freude einatmen, wie wir nur können. Und dass wir selbst auch wieder die Schönheit in der und dem anderen sehen können sowie in uns selbst. Denn nicht irgendwelche Medien, Industrien oder völlig aus der Luft gegriffene Normen sollten entscheiden, was oder wer schön oder richtig ist. Sondern wir selbst.

 

Finde Dich niemals mit etwas ab

Wichtig ist: Wir können richtig viel ändern, bewirken und erschaffen, wenn wir uns dessen bewusst und aktiv werden. Denn in jedem von uns steckt ein unglaubliches Potenzial, eine unbändige Kraft und ein großes Herz voller Liebe. Leider haben wir es nur oft vergessen oder verdrängt. Auf dem Weg zurück zu sich selbst wird es sicher schmerzvolle Momente geben und es wird auch nicht immer easy sein. Doch mit jedem Schritt können wir uns wieder selbst mehr sehen und spüren und heilen und wachsen. Denn jede Veränderung, die wir uns im außen wünschen, beginnt im Inneren. Und je mehr Du Dich selbst in Dein Herz schließt, Dich annimmst und wertschätzt und umsorgst, umso erfüllter wird Dein Leben sein.

 

Ich freue mich riesig auf Deine Impulse und Erfahrungen in den Kommentaren und was Du für Dich mitgenommen hast. Und ich danke Dir von Herzen, dass Du da bist und diesen Blog liest. Das bedeutet mir sehr sehr viel!

Fühle Dich geherzt!
Deine Wiebke